Genauer hingeschaut: Müll – Basura – Trash

Die Abfallentsorgung ist ein ungelöstes Problem. In Ensenada säumt der Abfall die unbebauten Hügel und Strassenränder. Vor den Häusern stehen Mülltonnen, die gefüllt werden bis sie umkippen. Der ganze Inhalt liegt auf dem Trottoir verteilt. Niemand kümmert sich darum, weder die Nachbarn noch die Stadtregierung. Der Wind packt die leichteren Sachen und trägt sie eine Strasse weiter, die schweren bleiben vor Ort liegen und stinken vor sich hin.

Von einer Lehrerin haben wir erfahren, dass die Entsorgung des Mülls in Ensenada in privaten Händen sei. Ihre Nachbarschaft zahlt einer Firma Geld, die wöchentlich vorbeifahren und die Behälter leeren. Sie konnte uns nicht sagen, was danach geschieht. Wird der Abfall ausserhalb der Stadt verbrannt? Wir fahren an einigen verbrannten Feldern vorbei, Dosen und Glas liegen in der Asche, in der Ferne sehen wir Männer, die einen neuen Müllberg anzünden. Oft geschieht das Verbrennen in der Nacht, darum müssen wir die Fenster zum Schlafen schliessen, der beissende Gestank verfängt sich sonst in unserem Zimmer.

Wir besuchen aber auch Dörfchen, z.B. Loretto oder Mulegé, die vor Sauberkeit glänzen. Auf meine Frage, warum hier alles sauber ist und kein Abfall herumliegt, antwortet mir ein Einheimischer, dass die Stadtregierung dank den Touristen und den Amerikanern, die hier Häuser kaufen und bauen, genug Geld hätten, um eine regelmässige Abfallentsorgung zu organisieren. Wir treffen beim Spazieren dann auch auf ein Recyclingkübelsystem: Organischer Abfall, Plastik, Alu und normaler Abfall wird getrennt gesammelt.

In Mexiko City gab es vor Jahren einen Versuch den Abfall zu trennen. Es hat in vielen Quartieren nicht geklappt, die Menschen konnten sich nicht umgewöhnen. Es gibt in den grossen Städten viele Familien, die vom Abfall leben, indem sie ihn sammeln, trennen und ein bisschen Geld für PET und Alu bekommen. Wertvolles wird aussortiert und auf den Secondhandmärkten verkauft.

Wir sehen auf unseren Fahrten oft Männer, Frauen oder Familien, die die Büchsen und Petflaschen vom Strassenrand aufsammeln.

Auf dem Land wird der Abfall oft gleich im eigenen Garten oder neben dem Haus verbrannt. Oder sie entledigen sich seiner, indem sie ihn auf einen der Abfallberge am Strassenrand fahren. Gleich daneben stehen riesige Tafeln vom Staat, auf denen vermerkt ist, dass man hier keinen Abfall entsorgen darf.

Gewohnheit? Es stimmt uns nachdenklich. Nachdem ich Diana von den brennenden Abfallbergen erzählt habe, schreibt sie mir, dass der grösste Fussabdruck immer noch die Europäer machen. Das stimmt uns auch nachdenklich.

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