Oaxaca – Fünf Gründe warum du nach Oaxaca reisen solltest

Unsere Fahrt von Teotihuacan nach Oaxaca führt uns an zwei Vulkanen vorbei, die durch eine traurige Legende für immer miteinander verbunden sind. Popocatépetl, der tapfere Krieger, wacht über seine schlafende Geliebte Iztaccíhuatl. Um den Menschen zu beweisen, dass er seine Aufgabe ernst nimmt, gibt er immer mal wieder ein Zeichen von sich. Seine Rauchsäule ist zu unserer Reisezeit leider so gross, dass wir unsere Route ändern müssen. Noé und Andrea, die ein Tag vor uns dorthin unterwegs waren, konnten uns noch rechtzeitig warnen.

Angekommen in Oaxaca beziehen wir auch hier wieder ein Hotelzimmer, da es in diesem Städtchen keinen bewirtschaften Campingplatz gibt und wir keine Lust haben auf einem Parkplatz eines Shoppingcenters oder am Strassenrand im Auto zu schlafen.

Das Personal im Hotel ist sehr hilfsbereit und findet für uns die Adresse vom Atelier des Künstlerkollektivs Lapizola und meldet uns gleich telefonisch an. In einem Aussenquartier finden wir sie nur mit Hilfe des Taxifahrers und eines Nachbarn. Wir klopfen an die Tür und werden herzlich empfangen. Auf dem kleinen Rundgang durch ihren Innenhof können wir einige Auftragsarbeiten, die sie an den Wänden im Innenhof ausprobiert haben, bestaunen. Die achtarmige Siebdruckmaschine nennen sie liebevoll Octopus. Im Atelier verkaufen sie T-Shirts mit unterschiedlichen Siebdrucksujets, Kleber und Karten. Sebastian braucht zum Glück sowieso ein neues T-Shirt.

Die Gründung des Kollektivs geht auf die politische Revolution im Jahr 2006 zurück. Sie empörten sich über die gewaltsame Reaktion des Gouverneurs auf einen Lehrerstreik und schafften Werke im öffentlichen Raum, die die Ungerechtigkeit zu den verschiedensten politischen Themen Mexikos hervorheben und anprangern.

Wie passend und genial ist doch ihr Name, der aus der Vereinigung aus folgenden Wörtern besteht: lápiz bedeutet Bleistift und Pistola Pistole. Die Stadt strahlt dank der Strassenkunst ein spezielles Flair aus. Das Spazieren durch die Gassen ist ein Genuss, immer wieder entdeckt man ein Mural, das uns amüsiert oder zum Nachdenken anregt.

Unbedingt sollte man in Oaxaca durch die Markthallen schlendern. Es gibt nicht nur Obst, Gemüse, Fleisch, Gewürze, Kräuter zu kaufen, sondern auch getrocknete Insektenarten und hunderte von verschiedenen Saucen. In riesigen Jutesäcken werden Grashüpfer (Chapulines) und geröstete Würmer angeboten. Wir verzichten gerne darauf und bestellen sie lieber angerichtet im Restaurant. Die gerösteten Chapulines schmecken nussig, sind wunderbar knusprig und sollen reich an Proteinen sein. Oaxaca ist bekannt für die Mole, das ist eine dickflüssige Sauce, die je nach Rezeptur aus über 50 verschiedenen Zutaten zubereitet und meistens mit Fleisch serviert wird. Jede Familie hat ihr eigenes geheimes Rezept. Es gibt sie in unterschiedlichen Farben, sie heissen negro, amarillo, verde, rojo, coloradito, mancha manteles und mole chichilo. Blanca hat uns auch einmal mit Hühnchen an Mole überrascht und in Oaxaca degustierten wir in einem Restaurant die typischen Sorten. Es gibt die Sauce auch im Supermarkt in einer Tetrapackung zu kaufen.

In einer kleinen Kunstgalerie finden wir einen Kleber: PA` TODO MAL` und wollen natürlich vom Galeristen wissen, was das genau bedeuten soll. „Para todo mal, Mezcal. Para todo bien, también.“ Wenn es dir schlecht geht, trink Mezcal. Wenn es dir gut geht, auch.“ Ein wundersam heilsames Schnäpschen, wie unser Appenzeller, der die Verdauung anregt oder der Kirsch auf dem Würfelzucker, der uns die Bauchschmerzen vertreibt. Meinen ersten Mezcal trank ich vor zwei Jahren in der Bar Spitz, ich mochte ihn gleich. In der kleinen Bar im Hotel schmeckt er noch besser. Sie servieren ihn in einem typischen Mezcalglas und dazu ein paar Schnitze einer Orange und etwas salziges Gusano-Gewürz. Das Gewürz besteht aus Salz, Chili und getrockneten und zermahlenen Raupen, die auf den Algavefeldern eingesammelt werden. Es gibt Produzenten, die den Mezcalflaschen eine Raupe beifügen, was aber scheinbar keinen Einfluss auf die Qualität hat.

Der Name vom Mezcal stammt vom Nahuatl-Begriff* mexcalmetl ab, was Agave bedeutet. Das Getränk wird also aus dem gleichen Rohstoff wie der Tequila hergestellt.

*Nuhuatl – Sprache eines indigenen Volkes

Ein kurzer Besuch in der Kirche Templo de Santa Domingo ist ein Muss, daran kommt niemand vorbei. Die erste Bauphase der barocken Kirche startete 1551 und das angrenzende Dominikaner-Kloster wurde 1608 eingeweiht. Ein so grosses, protziges und vergoldetes Hauptaltarstück haben wir noch nie gesehen. Sehr aussergewöhnlich sind die Wände und die Decke, die mit Relief und Kacheln geschmückt sind.

Die Gegend um Oaxaca ist bekannt für schönes Handwerk. Wir besuchen einen Mercado Artesanal, der vollgestopft mit Schmuck, Taschen, bestickten Kleidungsstücken und Teppichen ist. Wir wollen uns nur ein bisschen umschauen und verlieben uns dabei in einen kleinen Teppich. Der Verkäufer erklärt uns geduldig die Symbole der unterschiedlichen Teppichmuster und so kommen wir mit ihm ins Gespräch. Wir erzählen ihm, dass wir gehört haben, dass die Mayas einen speziellen Kalender haben, der aufgrund vom Geburtstag eine Art Horoskop erstellen kann. Er schmunzelt, bejaht und beginnt mit einer komplizierten Rechnerei. Die Zahlen des Kalenders und die von meinem Geburtstag werden geschickt vermischt und zehn Minuten später erzählt er mir so einiges über meinen Charakter. Sebastian neben mir nickt und nickt, ich nicke auch. Er hat es ziemlich auf den Punkt gebracht.

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