San Cristobal de las Casas, die Missionierung und die Verehrung der Jungfrau von Guadalupe

Was sind das für Böllerschüsse, die da in die Luft geschossen werden? Im Hotel angekommen, werden wir vom Rezeptionisten informiert, dass ein Umzug zur Verehrung der Jungfrau von Guadalupe stattfindet. Wir rennen los, das wollen wir nicht verpassen. Zum Glück weisen uns die weissen Rauchsäulen hoch am Himmel den Weg. Immer mehr Menschen strömen herbei, die Girlanden dekorieren die Gasse und da stehen wir, vor der Treppe zur Kirche San Cristobalito. Oben angekommen pressen wir uns ans Geländer und werden Zeuge von kreativen Spielformen von Feuerwerkskunst, die alle im Zeichen der Verehrung der Jungfrau von Guadalupe abgefeuert werden.

Der Groschen ist gefallen! Nun haben wir die Antwort auf all die Fragen, die wir uns auf der Reise nach San Christobal de las Casas gestellt haben: Warum rennen die Menschen hier mit Fackeln am Strassenrand? Warum tragen all die Velofahrer ein unförmiges Gepäckstück auf dem Rücken? Warum sind einige Kleinlaster und Lastwägen mit Fähnchen, Ballonen und Plakaten geschmückt? Warum wird da eine Kirche aus Holz transportiert? Warum tragen viele Menschen ein T-Shirt mit einer Heiligenfigur vorne drauf?

Die Jungfrau von Guradalupe ist die wichtigste Heilige der Gläubigen des indigenen Volkes. Im Monat Dezember finden von den Kirchgemeinden organisierte Wallfahrten statt. Sie rennen mit Fackeln eine bestimmte Strecke und steigen dann wieder ins Auto, worauf ein nächster die Fackel übernimmt und weiterrennt. Andere Gruppen sind mit dem Velo unterwegs und transportieren eine Statue von Guadalupe auf dem Rücken.

Die Geschichte von Guadalupe führt uns in die Zeit der Missionierung der indigenen Bevölkerung durch die spanischen Geistlichen. Der Kellner Jorge Balan-Jaguar hat mir in Merida erzählt, dass sie verschiedene Gottheiten verehren. Wie zum Beispiel den Regengott (Chak), den Windgott, den Sonnengott, den Gott des Universums (Kukul Kann), den Gott für die Mütter (Xtabay), einen Gott für die Fruchtbarkeit (Xchel). Sie achten jedes Leben, die Menschen, die Tiere und die Pflanzen sehr. Alles ist miteinander verbunden und bildet eine Einheit. Bevor sie die Pflanzen pflücken oder Tiere töten, muss der Umstand bewiesen sein, dass es ums Überleben der Menschen geht.

Durch die Zwangschristianisierung ist viel Wissen – aber zum Glück nicht alles Wissen – über ihre Gottheiten und über ihre Bräuche verloren gegangen. Wer sich nicht anpasste, zahlte mit seinem Leben. Milena Moser hat in ihrem Buch, Das schöne Leben der Toten, geschrieben, dass die indigene Bevölkerung jeder katholischen Heiligenfiguren eine ihrer Gottheiten zugeteilten. So konnten sie die Heiligen der Spanier anbeten und dabei weiterhin an ihre Gottheiten denken.

Nun aber zur Geschichte der vielverehrten Jungfrau. Die Geschichte beschreibt, dass einem Indio im Stadtviertel Guadalupe eine schöne Jungfrau erschienen sei, die ihn bat, an eben diesem Ort eine Kapelle zu bauen. Dem Jungen gelang es, den Bischof zu überzeugen, denn er konnte ihm ein göttliches Zeichen der Jungfrau überbringen. Diese Geschichte muss sich wie ein Lauffeuer verbreitet haben und über acht Millionen der indigenen Menschen seien in die Kirchen gerannt und wollten sich taufen lassen.

Haben sich da die Geistlichen vor Ort eine Geschichte ausgedacht, um die indigenen Völker vom Christentum zu überzeugen?

Mittlerweile ist die Basilika der Jungfrau der Guadalupe im Norden Mexiko-Citys der grösste Wallfahrtsort der Welt. Die Jungfrau wird auch in andern lateinamerikanischen Ländern verehrt.

Auszug aus Wikipedia:

Unsere Liebe Frau von Guadalupe (span. Virgen de Guadalupe‚ „Jungfrau von Guadalupe“) ist ein GnadenbildMarias. Vom 9. bis 12. Dezember 1531 erschien im Stadtviertel Guadalupe am nördlichen Stadtrand von Mexiko-Stadt dem Indio Juan Diego Cuauhtlatoatzin (1474–1548) der Überlieferung zufolge viermal eine schöne Frau, die sich als „Maria, die Mutter des einzig wahren Gottes […], durch den das Leben ist, des Schöpfers der Menschen, des Herrn“[1] bezeichnete. Sie beauftragte Juan Diego, dem örtlichen Bischof zu übermitteln, dass am Berg dieser Erscheinung eine Kapelle errichtet werden sollte, sie wolle den Menschen dort ihre Liebe als mitleidvolle Mutter zukommen lassen. Der Bischof bezweifelte den Bericht und verlangte ein Zeichen. Als tags darauf der Indio vor dem Bischof seinen Mantel ausbreitete, in dem er auf Geheiß seiner Auftraggeberin mitten im Winter blühende, duftende Blumen gesammelt hatte, und auf dem Mantel das Gnadenbild Mariens erschien, erkannte der Bischof die Echtheit der Erscheinung an und erfüllte den Wunsch des Bittstellers.

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