Gedanken zum Leben in Kuba, den fehlenden Lieferungen und der Arbeitsmoral

Die Kubaner und Kubanerinnen, die für den Staat arbeiten kriegen einen so kleinen Lohn, dass man davon gar nicht leben kann. Obwohl die Löhne im letzten Jahr dank der Lohnreform verdoppelt wurden, reicht es nicht aus. Noch 2017 haben die Universitätsdozenten, die Lehrer und die Kommunalangestellten zwanzig Franken im Monat verdient und hinkten somit den Industriearbeitern und den Arbeitenden im Gesundheitswesen, die bereits das Doppelte verdienten, hinterher.

Der Mindestlohn im Staatssektor wurde von zwölf auf zwanzig Franken angehoben, während der Durchschnittslohn um die vierzig Franken im Monat ist.

Für eine Vier-Zimmer-Wohnung zahlt man achtzig Franken monatlich in Havanna, das heisst, doppelt so viel wie eine Person durchschnittlich verdient. Für ein staatliches Hotelzimmer zahlt man 250 Franken pro Nacht. Ein Mittagessen in einem Restaurant kostet mindestens dreizehn Franken, bei einer Strassenbude bekommt man Reis und Poulet für zwei Franken. Ein Gläschen Rum kriegt man für drei Franken, ein Mojito kostet vier Franken. Der Eintritt in den El Nicho Park kostet zehn CUC pro Person. Der Reitausflug für zwei Stunden haben wir nicht runtergehandelt, es kam uns auf achtzig CUC. Die Preisgestaltung bringt uns immer wieder zum Staunen.

Es gibt in Kuba zwei Währungen. Die eine ist für die Einheimischen gedacht, den kubanischen Pesos CUP. Die andere Währung ist vor allem für die Touristen, CUC genannt. Wir könnten auch CUP bei der Bank beziehen, man steht aber lange dafür in der Schlange. Es lohnt sich aber, wenn man länger auf Reisen ist und man bei den Ständen auf der Strasse oder in den Läden einkaufen möchte. Man kriegt dann mit der CUP-Währung 23 Bananen für umgerechnet einen Franken, mit der Devisenwährung CUC kriegt man nur vier Bananen.

Alle Einheimischen können jeden Monat für sehr wenig Geld eine rationierte Menge von Zucker, Salz, Reis, Kaffee, ein Pack Spaghetti, wenig Öl, Kompott für die Kinder und Streichhölzer einkaufen. In ihrem Lebensmittel-Heft wird dann mit einem Kreuz vermerkt, was sie bezogen haben. Das Problem ist nur, dass diese Mengen schon nach zehn Tagen aufgebraucht sind.

Eine junge Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm kommt auf Eileen und mich zu und bettelt um Milch für ihr Kind. Als ich ihr etwas Geld geben möchte, sagt sie, sie brauche Milch, kein Geld. Es ist leider so, dass in den Läden oft einiges fehlt. Das Sortiment ist sehr spärlich. In einem Laden im Zentrum hat es etwa so ausgesehen: Fünfzig gleiche Seifen, fünfzig gleiche Shampooflaschen, zweihundert Waschmittelkartonboxen, fünfhundert Packungen einer Nudelsorte, dreissig Gläser mit Tomatensauce und ein paar Flaschen Wein.

Ela sucht seit einem Monat Trockenhefe, sie hat alle ihre Leute darauf angesetzt für sie die Augen offen zu halten. Da sie das Brot für ihre Gäste selber backt, ist sie darauf angewiesen. Vor Kurzem konnten sie zum Glück einen grossen Sack Mehl für Brot und Waffeln erstehen, was nun für ein paar Monate reichen sollte. Manchmal gibt’s keine Butter oder Roby wartet auf Zement, niemand kann ihnen sagen, wann es wieder davon zu kaufen gibt. Besonders schwierig ist es, Medikamente zu besorgen. Roby war mehrere Tage in der ganzen Stadt unterwegs für ein einfaches Schmerzmittel. Als er dann endlich fündig geworden ist, hat er anstatt zehn Stück, wie vom Arzt verschreiben, nur fünf bekommen und musste erneut auf die Suche gehen.

Beim Check-in im Flughafen treffen wir eine Familie aus Zürich, die zwei Wochen lang in verschiedenen Hotels gehaust haben. Sie sagen, dass es an nichts gefehlt hat. Sie hätten erfahren, dass die staatlichen Hotels als erste mit Esswaren beliefert werden, da der Tourismus einen hohen Stellenwert hat. Die Läden werden erst danach mit den restlichen Produkten versorgt.

Man kann sich gut vorstellen, dass man nicht sehr motiviert ist, wenn man einen so kleinen Lohn bekommt, von morgens bis abends arbeitet und fast keine Ferien beziehen kann. Die Leute in den Läden arbeiten nicht sehr effizient, schminken sich in aller Ruhe die Lippen nach, tippen am Handy rum oder reden mit den anderen Angestellten weiter, bevor sie die Sachen der Einkaufenden tippen. Sie achten nicht auf die Schlange, die sich draussen vor dem Laden bildet. Die langen Warteschlangen vor den Banken oder Läden sehen unter anderem auch dramatisch aus, weil sie nur ein paar Kunden gleichzeitig in die Geschäfte hineinlassen.

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