Playa Girón

Das reservierte Taxi holt uns fast pünktlich bei Ela ab. Sie redet ein ernstes Wörtchen mit dem Chauffeur und meint, sie könne ihn nicht mehr einstellen, wenn er nicht zur abgemachten Zeit vor Ort sei. Unser Fahrer Armando ist vom Typ her schweigsam, liebt Reggeaton und ist stolz auf den kleinen Bildschirm, auf dem wir bei Langeweile den tätowierten, goldbehängten Machos beim Singen zusehen können, während ein paar hübsche, vollgeschminkte, blonde Frauen in wenig Kleidung herumtanzen, sich auf den teuren Autos räkeln oder sich darin herumchauffieren lassen.

Unsere erste Reise bringt uns an einen kleinen Ort am karibischen Meer. Playa Giron ist kein schönes Dorf, es besteht lediglich aus einer Aneinanderreihung von einfachen Casas particulares. Alles wirkt verschlafen, die Zeit scheint auch hier auf angenehme Weise stehengeblieben zu sein. Die Bewohner sind gemächlich mit dem Velo, Pferd oder Maultier unterwegs. Frische Wäsche flattert in der Luft, Hühner laufen über die Strasse, Hunde liegen im Schatten am Strassenrand. Ob die riesige Hotelanlage, die noch im Bau zu sein scheint, wohl je von Touristen benutzt wird? Es scheint, dass sie schon wieder am Zerfallen ist.

Wir gehen zu Fuss zum Playa Coco, ein kleiner Strand, wunderbar sonnengeschützt unter Palmen. Drei kleine hölzerne Strandbars stehen im Schatten und warten auf Kundschaft. Unsere ausgewählte Strandbar wird von Rubén betrieben. Er arbeitet schon sein Leben lang für diese Bude, er kann sich sogar eine junge Angestellte leisten. Wir essen wunderbar frischen Fisch zu Mittag, mit Reis und Bohnen, zum Nachtisch trinken wir Kokosmilch und essen das Fleisch der Nuss, die Rubén für uns geköpft hat. Es fehlt auch nicht an einer grossen Auswahl feiner Drinks. Gerne schenkt er gratis nach, wenn man etwas mehr Alkohol haben möchte. Fiona, Eileen und Sebastian mögen Piña Colada, ich halte mich an Rum pur.

Es gibt ein Korallenriff, das wir ganz bequem vom Strand aus schnorchelnd erreichen können. Eine grosse Vielfalt von Fischen und Pflanzen entdecken wir hier. Wunderschöne Fische, in allen möglichen Grössen, Farben und Mustern schwimmen unter uns vorbei. Die Korallenpflanzen sind hier farbiger als in Mexikos Schnorchel-Spots. Das Wasser ist warm, die Wellen zahm, der Sand fein, ein Genuss.

Etwa acht Kilometer vom Dorf entfernt gäbe es noch einen schöneren Strand, Caleta Buena genannt. Man könnte sich mit einem Bicitaxi dorthin chauffieren lassen, einen Eintritt von 18 CUC zahlen und alles wäre den ganzen Tag inklusiv. Buffet und Drinks.

Da Eileen, Fiona und Sebastian leider etwas mit dem Magen zu schaffen haben, lassen wir die grösseren Ausflüge aus und geniessen den Abend jeweils im Casa particular. Die Mägen können sich hier gut auskurieren, denn das kubanische Essen ist leicht verträglich. Meist besteht es aus einer Gemüsesuppe, Reis, frittierte Bananen, etwas geraffeltem Gemüse als Salat oder gekochtes Gemüse.

So klein der Ort auch sein mag, umso wichtiger war seine Rolle während der Revolution. Es gibt ein Museum im Ort, das an die Invasion der Amerikaner und Exilkubaner in der Schweinebucht, erinnert. Die Kubaner sind noch immer sehr stolz auf ihren Erfolg, den sie damals verbuchen konnten.

Fiona hat sich in ein Buch über Fidel Castro vertieft und uns mitgeteilt, dass vom Strand aus eine Insel zu sehen sei, die einst Fidel Castros Geheiminsel war. Mittlerweile wird sie vom Militär genutzt und ist noch immer für die Öffentlichkeit nicht betretbar.

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